Ta-ste: Extravagante Silhouetten und geometrische Formen – Modedesignerin Tanja Steuer im Interview

Tanja Steuer von Ta-ste im interview 01

Die Kollektion der jungen Modedesignerin Tanja Steuer ist alles andere als gewöhnlich: Futuristische Druckmuster und geometrische Formen treffen auf extravagante Silhouetten. Mit ihren Entwürfen für ihr eigenes Berliner High Fashion Labels Ta-ste drückt die Designerin ihre Liebe zu modernen Winkeln und geometrischen Formen aus und entwirft dabei aufregende Mode im klassisch-futuristischen Stil.

Im Ta-ste Showroom in Berlin-Kreuzberg habe ich mir die neue Herbst/Winter Kollektion 2013/2014 mit dem Namen „Cortex“ einmal genauer angeschaut und war von den raffinierten und abwechslungsreichen Stoffen, Schnitten und Mustern begeistert. Die neue Kollektion „Cortex“ passt farblich hervorragend in die kältere Jahreszeit und spiegelt dabei das „Kühle“ und die „Stärke“ eines Baumes mit einer großen Portion Klassik und Raffinesse wider. Denn „Cortex“ ist lateinisch Baumrinde und Tanja Steuer nahm sich die Birkenrinde für ihre kommende Kollektion zum Vorbild. Welcher Gedanke genau hinter der “Cortex”-Kollektion steckt und welche weiteren Zukunftsgedanken sie hat, verriet mir die äußerst sympathische Designerin in einem persönlichen Interview:

Label Ta-ste

Wann hast du Ta-ste gegründet?

Meine erste Kollektion “Traeder” habe ich im Januar 2011 auf der Projekt Gallerie in Berlin präsentiert. Gegründet habe ich das Unternehmen einige Zeit zuvor, um offiziel als Selbstständiger auftreten zu können und zum Beispiel Großhandelspreise vergleichen zu können etc. Auch das Corporate Design zu definieren war ein wichtiger Punkt. Den Name zu finden war am schwierigsten.

Und wie bist du denn schließlich auf Ta-ste gekommen?

Der Name “Ta-ste” sind meine Initialen – Ta-nja Ste-uer. Es hat wirklich lange gedauert bis mir dieses Wortspiel ins Auge gefallen ist. Mir war es wichtig, dass der Name mit mir persönlich in Verbindung steht, dennoch wollte ich das Label nicht einfach Tanja Steuer nennen. Da auch die Ausrichtung eine Internationale sein sollte, passt die Verbindung ins Englische wie die Faust aufs Auge.

Und wie kam dann das Dreieck als Teil des Logos hinzu?

Das ist ein Ausdruck meiner Liebe zu Winkeln und zum Futurismus. Diese Liebe zum Abstrakten wurde mir in die Wiege gelegt (sie lacht). Genauso wie Metallisches, das hat mich auch schon immer wie eine Elster angezogen. Ich liebe abstrakte und geometrische Formen, das ist einfach meine Handschrift.
Die geometrischen Formen kommen aus meinem Inneren, also seitdem ich Mode mache, und das mache ich tatsächlich seitdem ich 14 / 15 bin. Deshalb finden sich auch diese Formen in meinen Kollektionen wieder.

Was hast du vor der Gründung von Ta-ste gemacht?

Nach dem Studium ein Auslandsjahr in Barcelona und habe dort bei einem kleinen Modelabel gearbeitet. Ich wollte unbedingt internationales Flair mitbekommen, aber das hat mich nur bestätigt, wieder zurück nach Deutschland, beziehungsweise nach Berlin zurück zukommen. Und dass ich mich sofort selbstständig machen muss.

Warum gerade Berlin, und nicht die modische Stadt Barcelona?

Ich habe auch gedacht, dass Barcelona eine Modestadt ist, aber ich fand es modisch gesehen sehr enttäuschend. Berlin ist natürlich auch noch nicht Paris aber einfach eine tolle Stadt in der man sich entfalten kann.

Wolltest du schon als kleines Kind Designerin werden?

Mit 14 habe ich mit Burda-Schnitten angefangen, meine eigenen Kleider zu schneidern. Mein Fachabi machte ich in Kunst und Gestaltung und habe dann die künstlerische Richtung eingeschlagen. Plastik war mein Schwerpunkt. Es war eine tolle Zeit aber ich musste auch feststellen, dass ich mit der freien Kunst meinen Lebensunterhalt nicht verdienen wollte. Designerin zu werden / zu sein war die richtige Entscheidung. Ich habe im Lette Verein studiert, die wirklich sehr handwerklich sind. Dadurch bin ich jetzt in der Lage Maßkleidung zu fertigen. Schnitt und Fertigung sind wichtige Punkte, die man als Modedesignerin beherschen sollte. Dieser Bereich meiner Arbeit macht mir sehr viel Spaß und so kam es, dass ich in meinem Atelier in der Schönleinstr. 26, 10967 Berlin Schnittkurse anbiete und mein Wissen weiter gebe.

Möchtest du mit deiner Mode etwas bestimmtes Ausdrücken?

Ich habe keine Weltverbesserungsbotschaft in dem Sinne.
Ja, wir leben in einer Luxusgesellschaft und wir können uns Kleider leisten, die außergewöhnlich sind. Aber was für mich wichtig ist, ist das Gefühl und die Wirkung, die du mit deiner Kleidung ausdrückst. Wenn du zum Beispiel ein tolles Kleid anhast, dann strahlst du und ziehst alle Blicke auf dich. Das Gefühl habe ich immer im Hinterkopf – mal will man sich zeigen, oder mal was verstecken. Mal will man auffallen und mal nicht. Und das versuche ich alles mit meinen Kollektionen abzudecken. Es geht darum sich wohl zu fühlen in der 2. Haut die wir uns überstreifen.

Wie sieht deine Kundschaft aus?

Sie ist entgegengesetzt den Zielgruppen, in denen wir von der Marketingwelt unterteilt werden, tatsächlich ganz unterschiedlich. Meine Kundschaft sind elegante bis ganz verrückte Menschen. Für jeden ist immer etwas dabei. Ich kann keinen bestimmten Typ bestimmen.

Woher nimmst du deine Inspirationen, wie zum Beispiel für die kommende Herbst/Winter Kollektion „Cortex“?

Birken haben mich schon immer fasziniert. Sie sind so rein und stark und haben eine tolle Struktur. Bei einem Winterspaziergang im Wald kam mir dann der Gedanke ihnen eine Kollektion zu widmen. Der Name Cortex ist der lateinische Begriff für Rinde, woraus ich den Digitaldruck entwickelt habe.

Deine aktuelle Kollektion „Simplex“ hat sehr kräftige Knallfarben, während deine neue Kollektion „Cortex“ eher gedeckter ist. Wie kommt der starke Farbwandel?

Alles ist im Wandel und es hat sich angeboten den Winter für die gedeckte Farbigkeit zu nutzen. Zum einen ist da der Baum, der etwas Kühles, Starkes und Erdiges ist. Die Farben von „Cortex“ greifen den „Waldgedanken“ auf, wie taupe, beige, nude oder auch silber.
Farbe und Stoffbearbeitung sind mir schon immer sehr wichtig. Ta-ste wird nie ein Label sein bei dem es jede Saison nur Schwarz oder Weiß geben wird. Farbe erzeugt Stimmungen die wiederum Gefühle auslösen oder unterstreichen wo wir wieder beim Kollektionsgedanken sind. Hier eine Vielfalt zu schaffen und in Bewegung zu bleiben finde ich sehr spannend und ist wie die Luft zum atmen für mich.

Welche Materialien verwendest du in der Kollektion „Cortex“?

Seide in Chiffon, Strech und Charmeuse. Wolle als Handstrick als Wirkware und im Gemisch mit Seide. Leder und Pelz.

Was würdest du modisch gerne in Zukunft machen wollen? Was wäre dein Wunsch?

Gerne würde ich Haute Couture Sachen machen, die kein Mensch tragen kann. Sachen, die nur Gebilde sind. Aber aus dem wirtschaftlichen Aspekt, den man nicht unterschätzen darf, würde ich mir wünschen, wie zum Beispiel Gaultier ein Theaterstück ausstatten zu können, in dem alles ganz verrückt und wild ist. Bei dem ich mich ausleben kann. Dabei würde aber meine futuristische Handschrift bleiben – mit den kantigen Schnitten. Wohin die Reise modisch jedoch geht, kann ich noch nicht verraten. Es bleibt spannend.

Heute besteht dein ganzes Outfit aus deinem Label. Trägst du nur deine eigenen Kleidungsstücke?

Nein, ich trage auch andere Labels, aber meine eigenen Sachen trage ich am liebsten und sehr oft.

Tanja Steuer würde sich sehr freuen, wenn ihr euch ihre ausgefallenen und einzigartigen Kleidungsstücke und Accessoires bei ihr im Showroom einmal persönlich anschauen kommt. Natürlich könnt ihr einige der Sachen, die absolute Unikate sind, auch direkt vor Ort kaufen. Die blau-gemusterten Oversize-Jacken die wir beide auf dem Foto tragen sind übrigens aus der „Kolorit“-Kollektion vom Herbst/Winter 2012/2013. Am liebsten wollte ich diese weiche Jacke gar nicht mehr ausziehen, so gemütlich fand ich sie.

Vielen Dank liebe Tanja für die Einladung und dein freundliches und interessantes Interview. Ich hoffe, wir sehen uns bald wieder.

Ta-ste Schowroom
Schönleinstr. 26
10967 Berlin

im Ta-ste Showroom Berlin 01

Im Ta-ste Showroom Berlin

im Ta-ste Showroom Berlin

Tanja Steuer von Ta-ste im interview neu

Ta-ste Kollektionsbilder der Kollektion “Cortex”:

Cortex Kollektion Ta-ste 01

Cortex Kollektion Ta-ste 02

Cortex Kollektion Ta-ste 03

Cortex Kollektion Ta-ste

 

 

1 Kommentar

  1. Schönes Interview Marie und eine tolle Kollektion! Ta-ste kannte ich noch gar nicht – Danke dir für die Vorstellung.

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